Dienstag, 23. August 2016

Buchvorstellung: Anleitung zur Stadtflucht. Ein Kochbuch. Auch.



Es gibt Kochbücher, die fallen dank ihres ungewöhnlichen Formats auf. Andere springen ins Auge, weil Autorennamen oder Titel automatisch mit Genuss assoziiert werden. Manchmal bleibt der geneigte Kunde aber auch vor der Auslage eines Bücherladens stehen, weil das grossformatige Foto auf einem Umschlag so verführerisch aussieht. Ähnlich erging es mir, als ich in einer Vorschau auf die Anleitung zur Stadtflucht aus dem Residenz Verlag aufmerksam wurde, auf deren Cover ein rosafarbenes U-Boot prangte*. Meine Neugier war geweckt. Was würde sich im Innern finden? Urban nomad meets Unternehmen Petticoat? Ex-Seesoldaten feiern wilde Partys mit 3-Gänge-Menüs auf einem Truppenübungsplatz? Aber fangen wir doch, wie üblich, beim ersten Eindruck an und arbeiten uns gemächlich durch den Inhalt.

Erster Eindruck:
Quadratisch, gross, wertig. Fester Einband und zwei rosafarbene Lesebändchen. Eingeteilt sind die Rezepte nach den Jahreszeiten, jedes mit einem seitenfüllenden Foto versehen. Ein wohltuend schlichtes Layout. Bis dahin gefiel mir alles, was ich gesehen hatte. Beim zweiten Durchblättern begann sich allerdings die Frage aufzudrängen, warum inmitten der Rezepte, Fotos von ganz oder teilweise unbekleideten Damen auftauchen. Oder die Abbildung eines Mädchens, welches, zwar mit einer weissen Bluse bekleidet, bis zur Brust in einem Weiher steht und so aussieht, als wäre sie ziemlich high und/oder selbstmordgefährdet. Daneben findet sich ein Text von Philipp Traun mit dem Titel "Anleitung zur totalen Verweigerung". Hat die Druckerei etwa Mist gebaut und Teile eines Kunstbandes eingeschmuggelt? Doch ein paar Seiten weiter wird klar: Nein, diese Konstellation ist tatsächlich gewollt. Ob man in einem Kochbuch beispielsweise das Bild einer Schwangeren, mit entblösstem Bauch und Stützstrümpfen, neben der verwirrenden "Anleitung zum freundlichen Umgang mit seiner Mutter" wirklich braucht, sei dahingestellt. Ich bin weder prüde noch eine Kunstbanause, aber ohne die deplatzierten Nackedeis und die Traunerschen Ergüsse würde mir das Werk wesentlich besser gefallen. 

Inhalt:
Nach der knappen Anleitung zur Anleitung, aus der hervorgeht, dass die Autoren sehr viel Wert auf regionale und saisonale Bio-Lebensmittel legen, und die Verteilung der oben erwähnten "poetischen" Fotos und Texte keiner Logik untergeordnet ist (sic!), folgen gleich die Kapitel mit den Rezepten. Eine kleine Auswahl:

Frühling
Carpaccio von der Chioggia-Rübe / Lachsforelle mit Mangold und Zitronenkaramell / Spargeleis

Sommer
Gazpacho mit Lavendel-Crustini / Einkornrisotto mit Paradeisern & Melanzani / Verbenen-Pesto

Herbst
Kaltes Beiried auf Apfel-Walnuss-Salat / Krautfleckern à la Tante Jolesch / Apple Crumble

Winter
Geräucherte Forelle auf Senfgemüse / Rostbraten vom Tuxer Rind / Veganer Brownie

Insgesamt finden sich auf den über 150 Seiten 40 Rezepte für Vorspeisen, Hauptgerichte und Desserts. 

Was meint der Magen:
Wir starteten unser Testmenü mit einer Kräutersuppe. Zuerst wird aus einem grossen Bund (?) verschiedenster Kräuter ein Pesto hergestellt. Ich sammelte also eine halbe Salatschüssel voll Melde, Schnittlauch, Hirschhornsalat, Fenchelgrün, Borretsch, Rucola, Dill und Sellerieblätter. Die Suppengrundlage wird separat gekocht und zuletzt das Kräuterpesto einpüriert. Geschmacklich war die Suppe recht gut und farblich hübsch sattgrün. Das Foto im Buch zeigt allerdings ein Tässchen mit zartweissem Inhalt. Hmmm....
Die Tafelspitzsülze mit Birne hingegen fanden wir nur mässig gelungen. Das Rezept sollte vielleicht überarbeitet werden. Es fehlt zum Beispiel die Anweisung, die Gelatineblätter vor der Zugabe in den Fond einzuweichen. Ein halbes Bund Jungzwiebeln und zwei Stiele Liebstöckel sind leider zu viel des Guten, und erschlugen zusammen den delikaten Fleischgeschmack. Merkwürdigerweise ist auf dem Referenzfoto nur ein Streifen Grünzeug in der Sülze erkennbar, während mein Ergebnis vor grünen Sprenkeln nur so strotzte...


Der Karottenkuchen mit Hanfnuss-Karamell war ein einziges Desaster. Der Teig, bestehend aus 3 Eiern, 50 gr Zucker, 100 ml Öl, 250 gr geriebenen Karotten (ich: Küttiger Rüebli aus dem Garten), 125 gr Mehl und 1,5 Tl Natron, benötigte in meinem Ofen 50 statt 30 Minuten, bis der Stäbchentest positiv verlief. Trotzdem sackte er beim Auskühlen komplett zusammen und war innen klitschig. Beim Probieren stellte sich dann noch heraus, dass er regelrecht geschmacksbefreit und unterzuckert war. Wahrscheinlich hätte das Hanfnuss-Karamell etwas gegen die arg fehlende Süsse ausrichten können, aber da der Kuchen so völlig misslungen war, hatte ich keine Lust auf seine Vollendung. Er landete zwei Tage später unbetrauert im Kompost.

Fazit: Sicherlich empfehlenswert für Leute mit einem ausgeprägten Kunstsinn. Oder als Geschenk für zukünftige Mitglieder der Stadtflucht Bergmühle. Oder für Fans von Tobias Moretti, der das Tuxer Rind grossgezogen hat. Aber meinen (Kunst)Geschmack hat es leider nicht getroffen.

* Das Unterseeboot wurde irgendwann vor dem Erscheinungstermin gegen einen wesentlich langweiligeren rosa VW-Bus auf dem Cover ausgetauscht. Warum auch immer.

Zum Abschluss noch das Kleingedruckte: Die in dieser Rezension geäusserten Ansichten und Meinungen sind zu 100% die Meinigen und wurden von niemandem beeinflusst.       
Einen ganz herzlichen Dank an den Residenz Verlag, der mir freundlicherweise ein Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt hat.


Sonntag, 21. August 2016

12 x [GE] - Meine Hirnwindungen unter der Lupe -65-



[GE]gessen: Suuri Läberli mit Petersilien-Stampfkartoffeln
und hinterher einen selbst zusammengebastelten Schwedenbecher 
aus Vanilleglacé, Apfelmus & Eierlikör

Gedankenlos [GE]trunken
Einen Espresso um 22h. War dann bis 4h wach. Dämliches Kind.

Ein[GE]kochtZwetschgenmus aus 5 Kilo Zwetschgen

[GE]backen: Absolut perfekte Zwetschgenmuffins

[GE]wesen: Mit lieben Freunden bei Fünfschilling

[GE]sehen: Die Doku "Verbotene Filme" auf ARTE

[GE]lesen
Monsieur Ibrahim und die Blumen des Koran - Éric-Emmanuel Schmitt
Eines Tages geht der Rabbi - Harry Kemelman

[GE]freut: Über die reichliche Ernte
Etwas weniger erfreulich war dann das händische Entsteinen der 
10 Kilo Zwetschgen und 3 Kilo Mirabellen...

[GE]ärgert
Via Internet ein gebrauchtes Buch bei einem professionellen Händler erworben. Beschreibung: Guter bis sehr guter Zustand, eventuell angeknickter Buchrücken. 
Angekommen ist dann das oben abgebildete Exemplar.

Ein[GE]kauft
Quittensaft, lila Paprika, geröstetes Sesamöl, Hiobstränen, Mirin, Vieille Poire, Steirisches Kürbiskernöl, Chianti- und Pinot Grigio Essig

[GE]hört: In the morning - Razorlight
Sitting on the dock of the bay - Otis Redding
I want let the sun go down on me - Nik Kershaw

Aus[GE]sät:
Zweifarbige und gelbe Radieschen, Wassermelonen-Rettich, Spinat, 
Grünkohl, Mizuna und eine Asia-Salat-Mischung.


Donnerstag, 18. August 2016

Blitzschnelle Mango-Limetten-Crème ohne Zucker



Wetter = Mies (wg. Gewitter und Regen)
Stimmung = Im Keller (wg. Holzwurmbefall des Gartenhäuschens)
Foto = Unterirdisch (Kombination aus Wetter und Stimmung)
Mangocrème = Einziger Lichtblick des Tages


Für 2-3 Personen:

  • 1 mittelgrosse, gefrorene Banane
  • 1 unbehandelte Limette
  • 1 grosse, reife Mango (ca. 600 gr)
  • 125 gr dickes Schafmilchjoghurt*   
  • 1 El Rosenwasser
  • 1 grüne Kardamomkapsel, Körner fein zermörsert

Banane 5 Minuten vor der Verarbeitung aus dem TK nehmen. Unterdessen die Limette heiss waschen und die grüne Schale fein abreiben. Danach die Frucht halbieren und aus einer Hälfte den Saft auspressen. Mango schälen, Fruchtfleisch vom Stein schneiden und in den Mixbecher damit. Leicht angetaute Banane schälen, in dicke Stücke schneiden und zusammen mit Limettensaft, Joghurt, Rosenwasser und einer grosszügigen Prise Kardamompulver ebenfalls in den Mixbecher geben. Mit dem Stabmixer zu einer dickflüssigen Crème pürieren. Einen gehäuften Tl der abgeriebenen Limettenschale unterrühren. Abschmecken, in kleine Schälchen oder Gläser umfüllen und mit der restlichen Limettenschale garnieren. Sofort servieren. 

* Durch türkisches oder griechisches Joghurt ersetzen. Für eine vegane Variante Kokosjoghurt verwenden.

Montag, 15. August 2016

12 x [GE] - Meine Hirnwindungen unter der Lupe -64-



[GE]gessenEin ganzes Onglet.
Nur gewürzt mit Salz und einer Prise Zucker. 
Zum Schluss mit einem Stückchen Rohmilchbutter gekrönt.
Keine Beilagen.
Heaven. 

[GE]trunken: Cold Brew Fencheltee

[GE]kocht: Grüne Bohnen-Mangold-Karotten-Pasta mit 
Basilikum-Möhrengrün-Pesto

[GE]backen: Limetten-Joghurt-Cake mit Passionsfrüchten 
und ein Haferpflaumenkuchen mit Fünf-Gewürze-Pulver 

Zum ersten Mal ein[GE]legtPortulak in Essig-Wein-Marinade

 [GE]sehen: 007 - Liebesgrüsse aus Moskau & Das Leben des Brian

[GE]lesen: Schakale in Shanghai - Qiu Xiaolong

Über die tolle Idee [GE]freutMit Graupensuppe Leben retten

Grün und blau [GE]ärgert: Aus reichlich blöden Gründen kann ich nicht an der Küchenparty mit Björn Moschinski in Frankfurt teilnehmen. *soifz*

Um mich zu trösten, neuen Lesestoff [GE]kauft
Die Basare Istanbuls - Laura Salm-Reifferscheidt
Short & Sweet - Dan Leppard
Bitter - Jennifer McLagan

[GE]hört: Breakfast at Tiffanys - Deep Blue Something

Fest vor[GE]nommen:
Endlich ein paar ausreichend grosse Brotbeutel zu nähen, damit ich für den Transport meiner Backwaren nicht immer auf Geschirrtücher oder Backpapier zurückgreifen muss.